17.09.2014

Von den Bauern in Tscheb - Teil 3

Traubenlese bei Familie Mausner im Weingarten Richtung Palanka
Eine schöne Arbeit war die Traubenlese in den letzten Septemberwochen. Die letzte große Arbeit war die Maisernte. Der Kukuruz wurde mit Bast gebrochen und heimgefahren. An den folgenden Abenden wurde bis 10 Uhr bei Petroleumlicht, ab 1935 etwa bei elektrischem Licht, das Bast vom Kolben abgeschält. Das waren schöne Herbstabende beim Kukuruzschälen mit Verwandten und Leuten aus der Nachbarschaft, die mithalfen, weil sie Bast brauchten oder weil sie dieses Beisammensein in fröhlicher Runde liebten. Das Bast- und das Maislaub wurde auch als Kuhfutter verwendet, wovon der Milchsegen allerdings klein blieb.

Im Spätherbst wurde der Winterweizen und die Wintergerste und auch Klee gesetzt. Dann ließ die Arbeit nach. Das Kukuruzlaub wurde eingefahren. Mit der Winterackerung und gelegentlichen Mistfuhren hörte das Jahr des Bauern auf. Die Tage waren kurz, die Nächte lang. Nur das Vieh war zu versorgen, Stallarbeiten zu verrichten und Geräte herzurichten. Jetzt konnte der Bauer die Hände in den Schoß legen und ausruhen bis zum nächsten Frühjahr.

Die Viehzucht war bei unseren Bauern schwach entwickelt. In den Höfen im Dorf gab es beim Bauern 2-3 Pferde, 2-3 Kühe, einige Kälber oder Rinder, einige Schweine, bis zu 50 Hühner, etwa 20 Gänse und Enten, ein oder zwei Hunde und Katzen. In manchen Höfen gab es Truthühner, Perlhühner und einen Taubenschlag. Auf dem Salasch gab es ebenfalls 2-3 Pferde, vor allem wegen des Mists, über ein Dutzend Rindvieher und noch viel Geflügel. Die Kühe gaben etwa 10-15 Liter Milch am Tag, die auch an Leute in der Nachbarschaft verkauft wurde. Als Arbeitstier diente das Pferd. Nur bei der Herrschaft wurden als Zugtiere das weiße ungarische Rind mit den weit ausragenden Hörnern, zu dem wir Ochse sagten, und der schwarze Büffel gehalten. Schafzucht betrieb im Dorf nur der Schwindl Josef. Die Herrschaft hatte Schafherden mit Hirten und einem Esel als Leithammel. Die Herrschaft betrieb auch Pferde- und Rinderzucht.

Zwischen den beiden Weltkriegen wurde vorwiegend Weizen angebaut, zu dem wir "Frucht" sagten. Die Körner wurden für Mehl und Brot für die Familie gebraucht, das Stroh zum Einstreuen beim Vieh. Der Hanf brachte den Bauern das Bargeld, denn vom Hanf musste nichts gegessen oder verfuttert werden. Der Hanf hatte auch immer einen guten Preis. Solange es keinen Donaudamm gegeben hatte, war im Ried genug Wasser zum Rösten des Hanfs, zum "Retzen", wie man in Tscheb sagte. Damals kamen sogar Bauern aus Gajdobra ins Tscheber Ried, um da ihren Hanf zu rösten.


von Franz Ernst (+), München (9. Heimatbrief/Dezember 1980)

08.09.2014

Kartenspielen an der Donau

Hamann-Lehrer, Gabs-Lehrer und Bleyer Georg (Gyuri genannt) beim Kartenspielen an der Donau auf der Tscharda beim Karcher Adamvetter. Der vierte Mann ist unbekannt. Die Tscharda stand auf Holzsäulen und war aus Brettern gebaut.

07.09.2014

7.9.1907: Hochzeit der Haman


Am 07. September 1907 heirateten in Tscheb  Johann Haman und Anna (geb. Szarvas) . Beide stammten aus Apatin. Noch als Kind kam Anna mit ihren Eltern nach Tscheb, da ihr Vater eine Stelle beim Großgrundbesitzer Dunđjerski bekommen hatte. Nachdem Johann die  Lehrer-Ausbildung in Timisoara beendet hatte, bekam er seine erste Stelle als Lehrer in Gajdobra. 1906 zog er nach Tscheb, wo er bis zu seinem Tod geblieben ist. Zuerst arbeitete er als Lehrer, später wurde er Schulleiter.
Am 07.09.1957 beging das Paar mit einer kleinen Feier sein 50jähriges Jubiläum. Gemeinsam verbrachten sie 58 Jahre. Anna starb 1965 und Johann zwei Jahre später, 1967.
Sie hatten 2 Söhne, die im Kindesalter an Scharlach gestorben sind, und 2 Töchter, Maria und Anna. Von ihnen bekamen sie 9 Enkel!  Heute leben ihre Nachkommen in Serbien, Kroatien und Ungarn. Es gibt 19 Urenkel und 24 Ururenkel (insgesamt 54 Nachkommen)!

30.08.2014

Die seltsame Himmelserscheinung - 30.8.1939

Am 30. August 1939 wurde in Tscheb ein Theaterstück aufgeführt. Um welches Stück es sich handelte weiß ich nicht. Der Seider Anton (Tischlermeister) hat sich auf diesem Gebiet sehr eingesetzt. Ich weiß aber, dass Grießer Nikolaus, Sohn vom Grießer Spengler, eine Hauptrolle darin spielte.
Als die Theatervorstellung gegen 22.30 Uhr aus war. zeigt sich der westliche Himmel feuerrot. Niemand konnte sich zu dieser späten Stunde jemals erinnern, so etwas gesehen zu haben. Es war am nächsten Tag das Tagesgespräch im Dorf. Die allgemeine Meinung war, dass dies nichts Gutes bedeuten kann. Tags darauf, am 1. September 1939, brach der fürchterliche 2. Weltkrieg aus. Am Palmsonntag 1941 begann der Krieg mit Jugoslawien, am 2. Juni 1941 begann der Krieg mit Russland. War diese Himmelserscheinung ein Vorzeichen auf die kommenden Ereignisse?  Graz, im September 2012
(erzählt von Adam Eckmayer, Graz / 41. Tscheber Heimatbrief/Dezember 2012)

27.08.2014

Leichenverein

Der Leichenverein wurde auf Anregung des Tischlers Josef Schweighoffer im Jahre 1884 gegründet. Dieser Verein arbeitete nach dem Motto: "Einer für alle - alle für einen". Die Requisiten des Vereins waren: Zwei schwarze Fahnen, eine Tragbahre, schwarze und weiße Schärpen und sechs Windlichter. Die eine schwarze Fahne wurde bei verstorbenen Mitgliedern dem Leichenzug vorangetragen. Fahnenträger war der Gevattermann, wie man bei uns sagte. Die vier Träger trugen scharze Schärpen wenn der Verstorbene verheiratet war, bei Unverheirateten trugen sie weiße Schärpen. Die zweite schwarze Fahne wurde auf dem Kirchturm aufbewahrt. Dort wurde sie auch rausgehängt, wenn ein Vereinsmitglied starb. Dann wussten auch alle, dass demnächst der Vereinsdiener (der Totenvogel, wie er genannt wurde) kassieren kommen wird.

Von den Beiträgen wurden die Begräbniskosten bezahlt, wofür eine bestimmte Summe festgesetzt war. Wurde dieser Betrag unterschritten, bekamen die Hinterbliebenen den Rest ausbezahlt. Wurde der Betrag überschritten, so mussten die Hinterbliebenen einspringen. Nach den Vorschriften des Vereins wurde ein einfacher Sarg, ein Grabkreuz, ein einfacher Übertahn, der Geistliche und der Kantor bezahlt. Mitglied konnte jeder werden, der 18 Jahre alt war. Die Requisiten konnten auch Nichtmitglieder gegen Entgeld benutzen. Starb ein Kind aus einer Mitgliederfamilie, so konnten die Requisiten unentgeldlich beansprucht werden. Zum Lobe der gutstehenden Bauern sei gesagt, dass viele des guten Zweckes wegen Mitglied waren. Vor dem 1. Weltkrieg war ein Mitglied nach 25 Jahren von weiteren Beitragszahlungen befreit. Von dem Bargeld des Vereins wurde im Krieg eine Kriegsanleihe gezeichnet.

Dieses Geld war mit dem verlorenen Krieg ebenfalls verloren. Der Verein war zum Neubeginn gezwungen. Es gab Ärger, weil die 25-Jahre-Regelung aufgehoben werden musste. In der jugoslawischen Zeit schlug sich der Verein schlecht und recht durch. Die Beiträge wurden nicht erhöht, aber die Preise blieben nicht stabil. In den letzten Jahren haben Rosi Breit und Paul Lang das Geld eingesammelt. Die Beiträgte betrugen früher 10 Kreuzer, später 1 Dinar, zuletzt 1 Pengö.

25.08.2014

Tschewrisch grett

bettseije: angeln
bigge: kleben, etwas aufkleben
Biechl: ein kleines Buch
Binkel: Bündel, das durch ein Tuch zusammengehalten wird bische: brunse, seuche: pinkeln, zur Toilette gehen
Bittdanka: einer der immer unterwegs ist, nie zu Hause anzutreffen
Blechschädel: infolge von Weinkonsum beschwerter Kopf
blooßfiesich: nackte Füße
blooßkoppich: ohne Kopfbedeckung
Bojazzl: Kasper
brunse: urinieren
brutschle: auf dem Herd langsam dahinbraten, leise, undeutlich reden
bsoff: betrunken