23.02.2014

Gewusst wie ...

Früher gab"s mal in Tscheb einen kräftigen, großen, jungen Schafhirten. Im Bewusstsein seiner Überlegenheit ließ er dem Ernst Niklos keine Ruhe und forderte ihn bei jeder passenden und unpasenden Gelegenheit zu einem Ringkampf auf. Ein Schwächling war der Ernst keiner, aber mit dem "Schoofhalter" (Schafhalter) wagt er es doch nicht; er lehnte immer ab. Doch einmal erkannt er seine Chance und er nahm sie wahr. Er merkte , der Schoofhalter hat bloß seine "razische Nationaltracht" an. Beim stilgerechten Anfassen, das hat der Ernst sich ausgehalten, riss er blitzschnell dem Schoofhalter sein "Gadjerpendl" ab. Der griff unwillkürlich nach der heruntergefallenen Unterhose. Diesen Augenblick nutzte der schlaue Ernst. Ein Ruck und der Schoofhalter lag auf dem Boden. Der junge Mann sprang auf: "Noch einmal"! Doch der Ernst beharrte wohlweislich darauf: "Einmal langt"!

22.02.2014

Das Schusterhandwerk

Ich erinnere mich an die alte Heimat Tscheb und die vielen Schuhmacher unserer Gemeinde. Ich war ja damals einer der jüngeren, aber heute bin ich wahrscheinlich schon einer der ältesten und vielleicht der einzige, der noch in seinem Beuf tätig ist. Deshalb möchte ich kurz meinen Lebenlauf schildern:

Ich wurde am 19.04.1915 als zweitältester Sohn der Eheleute Josef und Anna Popp in Tscheb geboren. Von Herbst 1921 bis Sommer 1927 besuchte ich die 6klassige Volksschule und wurde in dieser Zeit von 7 Lehrkräften unterrichtet, und zwar von Lehrerin Frieda Mayer, Lehrer Mayer, Lehrer Ottmann, einem serbischen Lehrer, Lehrer Dillinger, Lehrer Gabs und Lehrer Hamann. Der Religionsunterricht wurde von Pfarrer Dr. Ignaz Resch erteilt, mit ihm durften wir Ministranten auch öfter an die Donau zum Baden. Später hatten wir noch Kaplan Eichinger und zuletzt Pfarrer Nußpl.

Im November 1927 begann ich meine 4jährige Schuhmacherlehre bei meinem Onkel, Schuhmachermeister Josef Grof in Palanka. Nach Abschluss der Lehre arbeitete ich bei mehreren Meistern und in mehreren Städten und zwar in Neusatz, Vukovar, Osijek und Zagreb, bis ich dann im Frühjahr 1937 zur Ableistung des 18monatigen Militärdienstes eingezogen wurde. Im Januar 1939 heiratete ich meine jetzige Frau Anna Tuha (Tuha-Nantschi). 1940 gingen wir nach Deutschlandund arbeiteten in Walsrode und später in Ulm in Lederverarbeitungsbetrieben.

1944 musste ich dann mit vier weiteren Kameraden (Jaks Heinrich, Helm Hans, Stutz Andreas und Ratze-Bato) in den Krieg. Nach Kriegsende wurde ich mit zwei leichten Verwundungen entlassen und konnte auch bald bei Bad Tölz meine Frau mit Schwiegermutter sowie Fam. Gari und Familie Groh treffen - mein Schwiegervater war noch in Kriegsgefangenschft.

von Sebastian Popp Aresing (7. Tscheber Heimatbrief/Dezember 1978)

19.02.2014

Heute vor 72 Jahren - Vier Freundinnen in Begleitung beim Schlittenfahren

19.02.1942 - Von links nach rechts:  Puss Anna/Haditsch Franz, Piffath Katharina/Steffi Karcher, Mausner (Bittermann) Katharina, Müller Josef (war der Kutscher), Karcher Resi/Döllinger Hans

17.02.2014

Tschewrisch grett

nett so verwehne = nicht so verwöhnen
nett so verziege = nicht so verziehen (nicht gut erziehen)
raafe = raufen
Reibhelzl = Streichhölzer
rumrappeln (der rappelt rum) =  sich nervös verhalten, rumspinnen
schmeckichi Saaf (Riechsaaf) = Toilettenseife
segieren plagen =  nicht in Ruhe lassen, nerven
Tandler = Trödler, „Antiquitätenhändler“
Tschuttre = Trinkbehälter, Kürbis (Kalabasse)

09.02.2014

Die Hochzeit

Anfang der 30er Jahre: Die Hochzeit von Babusch Dundjerski mit dem Grafen Dezsöffy. Auf dem Foto erwiesen die Tscheber Freiwillige Feuerwehr und die Matusch-Blaskapelle dem neu vermählten Paar vor dem Castell die Ehre.

26.01.2014

Undank ist der Welt Lohn

Nach dem 1. Weltkrieg kamen die Komitatsch"n in die Gemeinde. Überall hissten sie ihre Fahnen. So war auch eine auf dem Weg zur Dunjerski-Fabrik angebracht. Und alle, die vorbeikamen, mussten sich ducken, um vorbei zu kommen. An einem Wintertag ging auch der Ams Juri vorbei, duckte sich, aber doch zu wenig, denn es fiel ihm ein schöner Brocken Schnee ins Genick. Er bekam eine Wut und schwor sich: "Diese Fahne hängt nicht mehr lange da!" Er wartete nur die nächste Gelegenheit ab. Diese sah er noch am gleichen Tag kommen, als alle beim Mittagessen waren. Er ging hin, riss die Fahne herunter und schmiss sie in das nächste Grundstück. Doch a "Raaza-Weib" hat das Ganze beobachtet und den Juri gleich angezeigt. Die Komitatsch"n kamen, nahmen ihn mit "ufs Gemeindehaus" und verabreichten ihm ohne langes Tächtel-Mächtel "Fünfundzwanzig". Als sie so etwa bei Zehn angelangt waren, fing der Juri das Jammern und Schreien an. Der Postenführer Bluscht hat das gehört und kam ihm zu Hilfe: Er bat, man soll doch Nachsicht walten lassen. Die Komitatsch"n ließen daraufhin den Juri laufen, nahmen aber den Postenführer und verabreichten diesem den Rest. Als dann der Juri an der Fabrik ankam, machte er seine Grimassen. Man wusste nicht, will er weinen oder lachen."Was gabs?" fragten die Arbeitskollegen. Und er schadenfroh: "Ich hab Fuchzehne bekommen, awr die restlichen Zehn hat der Bluscht gekriegt!"  (7. Tscheber Heimatbrief/Dezember 1978)

25.01.2014

Persönlichkeiten - Professor Dr. Jakob Bleyer

Professor Dr. Jakob Bleyer
geb. 25.01.1874 in Tscheb - gest. am 05.12.1933 in Budapest
Jakob Bleyer kam am 25. Januar 1874 in Tscheb, damals Südungarn, als Kind der Bauersleute Jakob und Veronika, geb. Stern, zur Welt. Er besuchte die Volksschule in Tscheb, wurde von dem Ortsgeistlichen Karl Werner und dem Kantorlehrer Lorenz Mayer als begabter Junge erkannt und für den geistlichen Beruf empfohlen. Seite Eltern schickten ihn 1885 an das Gymnasium nach Neusatz und ein Jahr später an das Jesuiten-Gymnasium nach Kalotscha. Schon als Gymnasiast schrieb er deutsche Gedichte und Erzählungen, die auch veröffentlicht wurden. Bleyer bestand : mit ausgezeichnetem Erfolg 1893 in Kalotscha das Abitur. Danach schlug er die wissentschaftliche Laufbahn ein. Er wurde Professor für Germanistik in Klausenburg (1908) und erhielt einen Lehrstuhl in Budapest (1911), den er bis zu seinem Tode innehatte. Sein wissenschaftliches Interesse galt besonders den deutsch-ungarischen Beziehungen in der Literatur. Auf ihn gehen die Anfänge der deutschen Südostforschungen zurück. Auf Grund seiner vielfältigen Tätigkeiten wurde Bleyer als Nationalitätenminister berufen. (Text auszugsweise dem 15. Tscheber Heimatbrief/Dezember 1986 und dem 32. Heimatbrief/Dezember 2003 entnommen).

Die schönste Sinngebung und Deutung seines Lebenswerkes schrieb er selbst während des Ersten Weltkrieges in sein Tagebuch: "Im Sommer war ich in meiner Heimatkirche (Tscheb), und da kam in das Hochamt eine fromme Prozession von Frauen, gebrechlichen Männern und Kindern aus dem benachbarten Schwabendorf. Sie sangen uralte geistliche Lieder, die sie aus der Urheimat mitgebracht hatten und in Zeiten höchster Not zu singen pflegten. Der Gesang kam aus tiefster Seele: "Wir bluten aus tausend Wunden und ohne Ahnung dessen, worum es sich handelt und worum es für uns geht. Wir haben Vorgesetzte, geistliche und weltliche, aber wir haben niemand, der uns Freund ist, der unser Herz, unser deutsches Kolonistenherz betastete und mit Trostworten labte, der uns in der Gefahr ein Beistand, in der Sorge ein Wegweiser wäre". Da habe ich dieses arme Volk, das ärmste in unserem ungarischen Vaterlande, wie eine Braut an mein Herz gedrückt. Du bleibst mein und ich dein!" : Professor Dr. Jakob Bleyer gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten, die das Donauschwabentum in seiner fast 300jährigen Geschichte hervorgebracht hat. Sein Lebenswerk galt der Festigung des deutschen Volkstums in Ungarn. Er starb m 5. Dezember 1933 in Budapest. : Bleyers Ahnen stammen aus Au im Murgtal, wo am Auswandererhaus ein Gedenkstein angebracht wurde. Bleyer wurde zum Ehrenbürger von Au und zum Ehrendoktor der Universität Tübingen ernannt. Der Gedenkstein aus Murgtaler Granit, der 1937 an seinem Grab auf dem Kerespeser Friedhof in Budapest errichtet wurde, überlebte die Vertreibung der Deutschen aus Ungarn nicht, er wurde nach 1945 zerstört.